Selbstbau Long-André in Ulm/Aufbau

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Abschnitt Grundrahmen

Entfernen des Vorbaus

Zunächst wird der Fahrradrahmen auf die Bike Bench gespannt. Falls in diesem Schritt die Vordergabel noch verbaut ist, kann der Rahmen in der Höhe passend so eingestellt werden, dass beide Radachsen denselben Abstand zum Boden haben. Danach werden Gabel und Steuersatz entfernt.

Falls die Gabel nicht mehr verbaut ist, müssen der Abstand von Hinterachse und Tretlager zum Boden möglichst gut geschätzt werden, damit die fertige Rahmenkonstruktion später nicht „bergauf“ oder „bergab“ fährt. Wir haben für die Hinterachse mit einem zölligen Maßband einen Abstand von (Hinterraddurchmesser/2)+x willkürlich definiert. Das x wird später beim Anpassen des Vorderradknicks relevant.


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Ist der Rahmen passend eingespannt, wird mit Wasserwaage und Anreißnadel der nun folgende Schnitt angerissen. Der Vorbau wird mit dem Winkelschleifer so knapp wie möglich abgesägt, damit das spätere aufrechte Steuerrohr fast an derselben Stelle sitzt wie das Original.

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Rahmen auf Steuerrohr vorbereiten, Lack abschleifen

In den Anpassungspausen der kommenden Arbeitsschritte kann der so geschaffene Schnitt mit der Feile oder dem Rundfräser so bearbeitet werden, dass sich das Steuerrohr (ø 33,7 mm) gut senkrecht einpasst.

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An den Stellen, die später geschweißt werden – also die eben abgeschnittenen Rohre sowie die Bereiche um das Tretlagergehäuse – müssen mit der Fächerscheibe großźügig blankgeschliffen werden, so dass kein Lack mehr um die späteren Schweißstellen vorhanden ist.

Anpassen des Unterrohrs

Das Unterrohr muss nun an das Tretlager angepasst werden. Ein oder zwei Stützen der Bike Bench werden so eingestellt, dass das Unterrohr im Wasser liegt. Nun kann der Umriss des Tretlagers angerissen werden.

Ist kein Dosenbohrer vorhanden, kann der Umriss mit mehreren kleinen Bohrungen definiert und anschließend mit Winkelschleifer und Feile ausgeschnitten und geglättet werden.

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Diese Variante ist recht zeitaufwändig. Einfacher ist, den Mittelpunkt anzuzeichnen, vorzubohren und dann mit dem 40mm-Dosenbohrer auszusägen. Danach muss die Aussparung mit der Feile oder Rundfräser bzw. Winkelschleifer feinangepasst werden.

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Langes Steuerrohr vorbereiten

Wir schneiden das Geländerrohr (1", ø 33,7 × 2,0 mm) mit dem Rohrabschneider grob zu. Die Originalanleitung des Long André geht hier von einem Grobzuschnitt von 850 mm aus – abhängig von der Rahmengröße kann hier jetzt bereits eine etwas genauere Anpassung vorgenommen werden.

Bohrung im Unterrohr

Sitzen

  • das Tretlager satt in der vorher geschaffenen Aussparung im Unterrohr
  • das lange Steuerrohr gut in den ausgefeilten Enden des Rahmens

kann die Bohrung im Unterrohr angezeichnet werden, durch die das lange Steuerrohr geführt wird. Das Unterrohr wird dazu mit Schraubzwingen am Tretlager fixiert und mit der Wasserwaage in die absolute Waagerechte gebracht. Dann wird das lange Steuerrohr auf das Unterrohr gestellt und mit der Wasserwaage in die absolute Senkrechte gebracht. Mit Anreißnadel und Winkel werden Vorder- unter Hinterkante des Steuerrohrs markiert, anschließend wird die Mitte des Steuerrohrs auf dem Unterrohr und der Mittelpunkt angekörnt.

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Nun wird das Loch für das Steuerrohr erst vorgebohrt und dann mit dem Dosenbohrer (ø 33 mm) ausgebohrt. Da das lange Steuerrohr etwas dicker ist als die so geschaffene Bohrung, muss sie mit der Feile ausgeweitet werden.

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Winkelschnitt vorne am Unterrohr

Nun kann von der vorderen Kante des Steuerrohrs aus die Länge der Ladefläche festgelegt werden. Wir haben in der Regel zweimal die Breite einer Eurobox festgelegt, also 800 mm. Da durch den Verstärkungswinkel am vorderen Knick wieder etwas Fläche verloren geht, haben wir nochmals 50 mm zugeschlagen.

Nun kann die so definierte Länge angerissen und ein Gehrungsschnitt mit 35° vorgenommen werden. Dieser Schnitt ergibt später einen Winkel von 125° zwischen der Horizontalen und dem Unterrohrknick.

Kurzes Steuerrohr vorbereiten

Dieser Arbeitsschritte kann parallel zu den vorangegangenen Arbeiten vorbereitet werden.

Zunächst muss die notwendige Länge des kurzen Steuerrohrs ermittelt werden. Diese ist abhängig von der Länge des gewählten 20"-Vorderradgabelschafts und des verwendeten Steuersatzes. Wir hatten günstige Restpostengabeln mit recht kurzen Schäften gekauft, bei denen das Steuerrohr am Ende so kurz war, dass der Steuersatz oben und unten wirklich auf den Zehntelmillimeter an das Knickrohr anstieß. Im Zweifelsfall wird die notwendige Länge von oben her abgeschätzt und das Rohr bei Bedarf nochmals gekürzt.

Der innere Grat im Rohr muss nach dem Ablängen entfernt und der Innendurchmesser auf das Außenmaß des Steuersatzes angepasst werden. Entweder klassisch von Hand mit der Feile, oder mit dem elektrischen Rundfräser, oder – sofern vorhanden – am komfortabelsten mit der Drehbank.

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Schrägbohrung im Unterrohrknick

Dieser Arbeitsschritt ist recht zeitaufwändig.

Um das kurze Steuerrohr im richtigen Winkel im Grobzuschnitt des Unterrohrknick anbringen zu können, muss ein 33-mm-Loch im 130°-Winkel durch es gebohrt werden. Andere Nachbauer des Long André haben sich hier mit selbstgebauten Winkelbohrvorrichtungen beholfen. Wir hatten diese Möglichkeit nicht und haben stattdessen auf Handarbeit gesetzt.

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Der Grobzuschnitt des Unterrohrknicks wird mit Schraubzwingen am Unterrohr befestigt. Für das zu bohrende Loch werden die Außenmaße des kurzen Steuerrohrs im Winkel von 130° auf den Unterrohrknick angerissen. Es ergeben sich dadurch mit dem Dosenbohrer zu bohrende Löcher auf der Ober- und Unterseite. Diese werden nach dem Bohren mit der Feile oder mit dem Rundfräser zu Ovalen ausgearbeitet, so dass das kurze Steuerrohr im gewünschten Winkel eingesetzt werden kann. Während dem Ausfeilen wird regelmäßig mit dem kurzen Steuerrohr kontrolliert, wie viel Material noch abgetragen werden muss.

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Längenanpassung des Unterrohrknicks und Punkten des kurzen Steuerrohrs

Ist das Schrägloch gebohrt, kann provisorisch das kurze Steuerrohr eingesetzt und der Steuersatz in das Steuerrohr eingepresst werden. Danach wird die Vorderradgabel eingeschraubt, um den Lenkwinkel zu prüfen.

Der Unterrohrknick wird wieder mit Schraubzwingen am Unterrohr befestigt, die Gabel in die Achshalterung der Bike Bench eingespannt – und zwar wieder (Vorderraddurchmesser/2)+x oberhalb der Unterlage. Das x ist hier derselbe Versatz, den wir anfangs willkürlich beim Einspannen des Hinterrads gewählt haben.

(Als Beispiel: Wenn wir einen 28"-Rahmen mit der Hinterachsenmitte 15" über Oberkante Unterlage eingespannt haben, ist x=1". Die Vorderachsenmitte stellen wir also auf (20"/2)+1", also 11" ein. Ein zölliges Maßband bewahrt hier vor kopfschmerzerzeugenden Umrechnereien)

Ist die Höhe der Vorderachse festgelegt, können wir den Winkel des kurzen Steuerrohrs noch einmal prüfen. Durch Vor- und Zurückschieben des Vorderachshalters auf der Bike Bench stellen wir den Winkel zwischen Unterlage und kurzem Steuerrohr auf 75° ein. Stimmt der Winkel, kann das kurze Steuerrohr direkt am Unterrohrknick festgepunktet werden.

Da der Lenkwinkel nun stimmt, können wir die endgültige Länge des Unterrohrknicks festlegen. Die Unterkante kann 20 mm unter die Unterkante des Unterrohrs hinausragen. Der Schnitt wird mit 125° angerissen.

Vorbereiten des Versteifungsgswinkel

Dieser Arbeitsschritt kann zu einem beliebigen Zeitpunkt parallel zu den vorangegangenen Arbeitsschritten durchgeführt werden.

Aus einem kurzen Reststück 40-mm-Quadratrohr wird mit dem Trennschleifer ein 125°-Winkel ausgeschnitten, der später die Verbindung zwischen Unterrohr und Knickrohr verstärkt. An der langen Seite sollte der Winkel laut Originalanleitung 154 mm haben.

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Meilenstein 1: Rahmen zusammensetzen

Der Rahmen kann nun Stück für Stück zusammengesetzt werden. Dieser Schritt muss nicht als Ganzes ausgeführt werden, sondern kann Stück für Stück am Besten in dieser Reihenfolge erfolgen:

  1. Anpunkten des Unterrohrs am Tretlagergehäuse
  2. Anpunkten des Steuerrohrs im Unterrohr und oben am Rahmen
  3. Anpunkten des Unterrohrknicks
  4. Anpunkten des Versteifungswinkels

Der Unterrohrknick (mit kurzem Steuerrohr) muss also erst zu Punkt iii. fertig sein – hier lässt sich viel parallelisieren!

Die Originalanleitung geht hier davon aus, dass die Teile bis nach der Probefahrt geheftet bleiben und erst dann die „richtigen“ Schweißnähte gesetzt werden. Wir haben uns bei unserem Aufbau dazu entschlossen, bereits jetzt die Nähte endgültig zu setzen. Das lag unter Anderem daran, dass bei manchen der Rahmen recht große Lücken zwischen langem Steuerrohr und dem abgesägten Vorbau aufgefüllt werden mussten.